Summer erzählt, wie sie mehre Unterordnungsprüfungen verpatzte,

weil Frauchen die Nerven verlor

 

Was spinnt denn die?

Was will denn die?

Was hat Sie nur gebissen?

 

Das denkt der Hund, wenn Frauchen von allen guten Geistern verlassen ist

 

Am Morgen des Prüfungstages fiel mir die ständige Aufmerksamkeit auf, die die Familie meiner Wenigkeit widmete. Leichte Hektik auch, als Frauchen die Schuhe anzog. Die sonst übliche, nach Leckerlis und Natur riechende Jacke, die schönen Turnschuhe blieben an der Garderobe. Frauchen trug Kleidung, die sie normalerweise dann anzieht, wenn ich zu Hause bleiben muss. Beunruhigend.

Wir gehen zum Auto, Frauchen vergisst etwas. Hastet zurück. Streichelt mich. Warum? Wir fahren zum Hundeplatz.

 

Heute dürfen die vierbeinigen Kumpels dort nicht mit mir spielen, wir dürfen uns nicht beschnuppern. Merkwürdig. Und ständig werde ich aufgefordert, "Gassi" zu machen. Ich zeige meinen guten Willen und setze mich hier und da hin.

 

Auf meinem geliebten Hundeplatz wird heute nicht gelacht, keine Zurufe ertönen, jeder Zweibeiner riecht nach Stress. Wenn meine Kumpels von den Übungen zurückkommen, werden sie von den wartenden Menschen umringt, beklatscht und betätschelt.

 

Eigenartig.

 

Ich glaube, jetzt sind wir an der Reihe. Plötzlich entwickelt sich mein heißgeliebter Übermensch zu einer Fremden.

 

Sie zerrt mich grob und hektisch zum Eingang.

 

Der hastige, steife Schritt und die ernste Miene sind mir unangenehm. Ich weiche etwas zur Seite. Sofort kommt ein grimmiges FUSS. Die übliche Korrektur mit Leine oder Leckerli entfällt. Kein BRAV entschlüpft ihr, als ich mich, sobald sie anhält, hinsetze, damit ich sie wieder postiver stimmen kann.

 

Warum benimmt sie sich so blöd? Sonderbar. Ich werde langsam sauer.

Jetzt leint sie mich ab, und ich fühle mich wieder frisch. Ich schüttle mich kurz. Anscheinend ist die eisige Phase jetzt vorüber. Da zischt mir wieder ein unnatürliches FUSS entgegen. Jeden Meter, jede Wendung, jedes Anhalten haben wir trainiert, und ich kann alles wie im Schlaf. Trotzdem fehlt mir heute die Sicherheit. Ich finde den Faden zu meinem Oberhund nicht. So trotte ich nebenher.

Ich fühle mich unwohl. Gähn! Wieder halten wir an.

 

Sie lobt mich nicht, trotzdem ich doch alles richtig gemacht habe.

Ich weiß, dass jetzt, nach 10 Schritten, mein SITZ kommt. Doch der Befehl klingt anders. Gekrächzt. Es irritiert mich. Ich gehe vorsichtshalber in eine Stellung zwischen SITZ und PLATZ. So wird's schon recht sein. Frauchen bekommt den bösen Blick, lässt die Schultern herabfallen, ihre Haltung verrät nichts Gutes. Schnell lege ich mich hin, um meine Ergebenheit auszudrücken. So, wie sie jetzt auf mich zukommt, ist sie mir unheimlich. Jetzt habe ich Magendrücken. Und als sie mich am Halsband hochzieht, kusche ich wieder in Liegestellung. Mir reicht's langsam. Das erneute Losgehen mache ich zwar automatisch mit, aber als sie PLATZ herausstammelt, bleibe ich einfach stehen. Jetzt atmet sie auch noch fast hechelnd. Ich begebe mich vorsichtig zu ihr und hoffe, endlich ihr BRAV zu hören, aber sie wird immer zorniger.

 

Die letzte Übung HIER versetzt mich nun in einen Zwiespalt. Will sie das wirklich? Was will sie eigentlich? Kann ich ihr heute noch irgendetwas recht machen? Da fällt mir ein: Sie ist doch immer ganz begeistert, wenn ich morgens mein Häufchen erledige. Vielleicht erheitert Sie das? Vielleicht bekomme ich sogar ein Extra-Leckerli? Ich laufe schnell seitlich an den Rand des Hundeplatzes und befreie mich, körperlich und seelisch. Ich komme ja gleich wieder. Jetzt wird alles gut!

Doch wie schrecklich.

 

Großer allmächtiger Wolf, bewahre mich vor dem Tierheim.

Lass Abend werden. Denn morgen wird sicher alles wieder gut und Frauchen hat mich wieder LIEB!

 

 

 

 

 

 

 diktiert von Summer ;-)

 

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